IRLAND: BAILOUT DURCH EU UND IWF RÜCKT NÄHER

Während 38.000 oder ein Drittel aller irischen Unternehmen laut einer Studie der renommierten Analysefirma Vision-net.ie vor der Insolvenz stünden, rückt ein Bailout des Landes durch die EU und den IWF in immer greifbarere Nähe. Irland bekommt die explodierenden Kosten zur “Rettung” seines Bankensystems nicht in den Griff, so dass der Bond Spread nach einer am Freitag durch Barclays Bank veröffentlichten Warnung auf ein neues Hoch kletterte.

38.000 irische Unternehmen laut Studie durch Bankrott bedroht

Mehr als 38.000 irische Unternehmen sehen sich dem hohen Risiko eines Bankrotts ausgesetzt, während in diesem Jahr in die Insolvenz gegangene Firmen mehr als 1 Milliarde Euro an unbezahlten Schulden zurückgelassen haben, wie die irische Daten- und Analysefirma Vision-Net.ie auf ihrer Webseite berichtete. Eine Studie, die über 100.000 Unternehmen analysierte, kam zu dem Ergebnis, dass 36 Prozent aller Firmen einem hohen Risiko ausgesetzt seien, in absehbarer Zukunft Insolvenz anmelden zu müssen, während 17 Prozent als mittelstark und 47 Prozent als kaum bedroht eingestuft wurden.

Die insgesamt 1.123 Unternehmen, die in diesem Jahr bereits Insolvenz anmelden mussten, ließen ihre Gläubiger auf unbezahlten Rechnungen und ausstehenden Schulden in Höhe von 1,045 Milliarden Euro sitzen. Die Analyse kam zu dem Schluss, dass eine signifikante Anzahl an Unternehmen vor allem in den Sektoren Gastgewerbe und Restaurants als stark durch eine Insolvenz bedroht anzusehen sei. Insbesondere die in der vergangenen Dekade gegründeten Firmen unterlägen dem höchsten Risiko, während ein Drittel von ihnen wahrscheinlich zwischen Oktober und Dezember den Gang zum Insolvenzgericht werde antreten müssen.

Die Studienergebnisse reflektierten die Realität dessen, was im Hinblick auf die Entwicklung der irischen Realwirtschaft tatsächlich geschehe, wie Christy Cullen, geschäftsführende Direktorin bei Vision-Net.ie erklärte. Das für die Studie genutzte Risikomodell signalisiere, dass sich über 38.000 Unternehmen in großen finanziellen Schwierigkeiten befänden, obwohl es momentan noch gar nicht diesen Eindruck mache. Diese Firmen werden sehr wahrscheinlich nicht in der Lage dazu sein, ihren handelsrechtlichen oder finanziellen Verpflichtungen nachzukommen in absehbarer Zukunft. Cullen fügte an, dass Lieferanten, denen durch in die Insolvenz gegangenen Kunden Geld geschuldet werde, nun im Rahmen von Gläubigersitzungen darum kämpfen müssten, einen Teil ihres Geldes zurück zu bekommen.

Wenn diese Lieferanten Glück hätten, würden sie wenigstens einen kleinen Teil ihres Geldes zurück erhalten, das man ihnen schulde. Die jüngst durch Vision-net.ie publizierte Studie sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da die Analysefirma seit Ausbruch der Krise acht von zehn Firmeninsolvenzen bereits vorher prognostizierte. Die Finanzanalysen der Firma basierten auf spezifischen über Einzelunternehmen vorliegende Daten, Detailinformationen über die Treffen von Gläubigerausschüssen sowie Daten, die an Gerichte übermittelt werden sowie Informationen der Zentralen Statistikbehörde Irlands.

Irland das nächste Griechenland – Bailout durch EU und IWF rückt näher

Die von irischen Kapitalgebern nachgefragten Zinssätze kletterten gestern auf neue Hochs, nachdem neue Ängste über das angeschlagene Budget der Regierung aufkamen. Die Spekulationen intensivierten sich an den Finanzmärkten, dass die irische Regierung sich letztendlich an die EU und den IWF werde wenden müssen, um beide Institutionen um einen Bailout zu ersuchen. Finanzminister Brian Lenihan spielte die Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung allerdings herunter und insistierte darauf, dass sich die Regierung keinen Schwierigkeiten ausgesetzt sähe, Finanzierungen an den Kapitalmärkten zu erhalten. Am kommenden Dienstag wird sich zeigen, ob er mit dieser Einschätzung richtig liegt, da die Regierung beabsichtigt, an diesem Tag weitere Staatsanleihen in Höhe von 1 Milliarde Euro zu emittieren. Der Zinssatz auf die 10-jährigen irischen Staatsanleihen stieg allerdings erneut um einen drittel Prozentpunkt. Dieser Anstieg, der einen der höchsten jemals gemessenen an nur einem einzigen Handelstag reflektiert, katapultierte den Zinssatz am Freitag auf 6,3 Prozent. Das neue Hoch notiert fast um einen halben Prozentpunkt oberhalb des Niveaus, das auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise im Mai erzielt wurde.

Damit steige die Wahrscheinlichkeit für einen bevorstehenden Bailout wie im Falle Griechenlands. Der Zinsanstieg erfolgte nach der Veröffentlichung eines Berichts durch die britische Barclays Capital, der davor warnte, dass Irland es wahrscheinlich nicht mehr werde vermeiden können, sich um externe finanzielle Hilfe an die EU und den IWF zu wenden, falls es zu zusätzlichen Verlusten im Bankensystem des Landes kommen oder sich die Wirtschaftsentwicklung Irlands weiter verschlechtern sollte. Eine Kombination aus riesigen staatlichen Budgetdefiziten, Banken-Bailouts und einem schwachen ökonomischen Wachstum seit Anfang 2009 haben Irland ins Rampenlicht derjenigen Staaten der Eurozone rücken lassen, die sich den größten Problemen um eine zukünftige Finanzierung ausgesetzt sehen. Die Situation habe sich aufgrund der rapiden Verschlechterung der Lage im irischen Bankensektor und den dadurch in die Höhe schießenden Kosten zur Stützung des nationalen Bankensystems erneut als äußerst fragil erwiesen. Oppositionelle Parteien im irischen Parlament drängten die Regierung dazu, den Bondhaltern der irischen Großbanken einen nicht zu verhindernden Haircut zukommen zu lassen, damit diese sich an den Kosten zur Rettung der Banken beteiligten.

Quelle: wirtschaftsfacts

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