ALZHEIMER: NEUE ERKENNTNISSE

Forscher haben jetzt auch Zink als Ursache für Alzheimer erkannt. Bei der Entwicklung von Medikamenten könnte das entscheidend helfen.

Das schleichende Vergessen, die Alzheimerkrankheit, wünscht sich niemand. Innerhalb von wenigen Jahren wissen die Patienten nicht mehr, wer sie sind, erkennen ihre engsten Verwandten nicht mehr und verlieren mit der Erinnerung auch ihre ganze Persönlichkeit.

Vergleich zweier Hirnaufnahmen: Gesunder Proband (l.) und Alzheimerpatient (r.). Sehen Sie nachfolgend was bei der Erkrankung im Gehirn passiert...

Vergleich zweier Hirnaufnahmen: Gesunder Proband (l.) und Alzheimerpatient (r.). Sehen Sie nachfolgend was bei der Erkrankung im Gehirn passiert...

Umso dringender werden Erkenntnisse aus der Forschung gefordert, die nicht nur die Krankheit erklären helfen, sondern auch eine Therapie in Aussicht stellen.

In den vergangenen Wochen gab es davon einige: Zunächst haben Wissenschaftler aus Oxford und Norwegen nachweisen können, dass bei älteren Menschen, die bereits an einer leichten Demenz, möglicherweise auch an einer Vorstufe der Alzheimerkrankheit leiden, durch die Gabe von Vitamin B der schnelle Verfall der Hirnzellen gebremst werden kann.

In der Zeitschrift „Plos one“ berichteten die Forscher, dass sie bei 178 Freiwilligen im Alter über 70 Jahre eine Studie durchgeführt haben. Sie gaben den Probanden über zwei Jahre hinweg hohe Dosen an Folsäure, Vitamin B6 und B12 oder ein Placebo. Bei Patienten, die die B-Vitamine einnahmen, verlangsamte sich der Verfall der Zellen um durchschnittlich 30 Prozent.

„Das ist ein extrem auffallendes, dramatisches Ergebnis“, schreibt David Smith von der Universität Oxford. „Wir hoffen, dass diese einfache und sichere Behandlung die Entwicklung der Alzheimerkrankheit bei vielen Menschen verlangsamen kann, die unter leichten kognitiven Beeinträchtigungen leiden.“

Die Vitamine hätten auf die Hirnstruktur eine schützende Wirkung und beugten dadurch Alzheimer vor. Weitere Studien müssten allerdings noch zeigen, ob Vitamin B über die Verlangsamung des Hirnschwunds hinaus tatsächlich gegen Alzheimer wirkt.

Der Wissenschaftler warnte ältere Menschen aber davor, hohe Vitamindosen zu schlucken. Der Langzeiteffekt der Vitamine müsse untersucht werden, zum Teil werden hohe Dosen davon mit Krebs in Verbindung gebracht. Vitamin B kommt in Fleisch, Eiern, Fisch und grünem Gemüse vor.

In der Zeitschrift „Cell“ berichtet nun ein internationales Forscherteam um James A. Duce von der Universität Melbourne, dass es überraschende Erkenntnisse zu den für Alzheimerpatienten so typischen Ablagerungen im Gehirn gewonnen habe.

Die sogenannten beta-Amyloid-Plaques (kurz BAP) entstehen dadurch, dass ein bestimmtes Vorläuferprotein vermehrt auftritt. Dieses Protein (Amyloid-Precursor-Protein, APP) ist offenbar eng mit dem Eisenstoffwechsel der Zellen verknüpft. Es sorgt unter anderem dafür, dass Eisen aus einer aggressiven Form in eine für die Zellen harmlose Form umwandelt wird.

„Funktioniert APP nicht richtig, so steigen die Eisenkonzentrationen in den Zellen schnell auf ein giftiges Maß“, schreiben die Hirnforscher. „Obwohl unter Forschern schon länger die verschiedenen Funktionen von APP diskutiert werden, gibt uns unsere Arbeit nun einen neuen Blick, welche entscheidende Rolle es im Eisenstoffwechsel spielt“, schreibt der beteiligte Wissenschaftler Jack Rogers von der Harvard Medical School.

Schon vor Jahren haben Studien gezeigt, dass APP eine eisenabhängige Komponente hat. Steigen die Eisenwerte in gesunden Zellen an, so wird schnell mehr von diesem Abbauprotein produziert.

Alzheimerforscher konzentrierten sich allerdings eher auf das Nachfolgeprotein BAP, als auf das vorhergehende APP genau zu achten. Möglicherweise war das unklug – und erklärt vielleicht auch, weshalb Versuche, in denen Mäusegehirne mit Medikamenten von den Plaques befreit wurden, nichts gegen das Fortschreiten der Alzheimerkrankheit gebracht haben.

Die Wissenschaftler haben sogar noch eine weitere Erkenntnis gewonnen: Sie konnten zeigen, dass Zink das für den Eisenhaushalt so wichtige APP ausschalten kann. Sie konnten praktisch eine Kaskade nachzeichnen, in der erhöhte Zinkwerte das APP ausschalten, woraufhin das schädliche Eisen nicht mehr aus den Zellen transportiert wurde. „Wir glauben, dass Zink ein wichtiges Ziel für die Entwicklung möglicher Medikamente ist“, schreibt Forscherin Ashley Bush.

Quelle: welt-online

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