SARKOZY IN ERKLÄRUNGSNOT

Frankreichs Präsident Sarkozy gerät wegen seiner umstrittenen Äußerungen über die bevorstehende Räumung von Roma-Lagern in Deutschland zunehmend in Erklärungsnot. Selbst sein eigener Außenminister weiß nichts von einem Gespräch mit Kanzlerin Merkel.

Er habe Staatspräsident Nicolas Sarkozy in Brüssel nicht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reden hören, erklärte der französische Außenminister Bernard Kouchner am Freitag dem Rundfunksender Europe 1. Auf die Frage, wer gelogen habe, sagte Kouchner: „Das wird die Geschichte entscheiden. Ich habe (einer solchen Unterredung) nicht beigewohnt, obwohl ich die ganze Zeit anwesend war. Der Präsident hat mir darüber auch nichts berichtet – ich weiß nicht, ob diese Unterredung irgendwo abseits stattgefunden hat.“
Der Streit um die französische Abschiebung von Roma hatte am Donnerstag den EU-Gipfel in Brüssel überschattet. Sarkozy hatte dort erklärt, Merkel wolle in Deutschland ebenfalls Roma-Lager räumen lassen. „Madame Merkel hat mir ihren Willen bekundet, in den kommenden Wochen mit der Evakuierung von Lagern voranzuschreiten.“ Er habe in dem Streit um die französische Praxis wieder einmal den vollen Rückhalt der Kanzlerin.

Unerklärliches Missverständnis

Dies wurde aus Berlin noch am Abend ungewöhnlich deutlich dementiert. „In den Gesprächen der Kanzlerin und des französischen Staatspräsidenten hat das Thema der Roma in Deutschland überhaupt keine Rolle gespielt. Es war kein Thema“, bekräftigte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag. „Das Missverständnis ist also nicht aus missverständlichen Äußerungen der Bundeskanzlerin zu erklären.“ Einschätzungen von EU-Diplomaten, Sarkozy habe die Äußerungen Merkels „frei erfunden“, wolle er sich nicht zu eigen machen.
Ungeachtet der Verwirrungen sieht die Bundesregierung keine Belastung im Verhältnis zu Paris. „Die deutsch-französischen Beziehungen sind absolut gesund, absolut stabil“, sagte Außenminister Guido Westerwelle am Freitag in Berlin. Ähnlich äußerte sich Regierungssprecher Seibert. Man habe „keine Erklärung“ für Sarkozys Darstellung und wolle auch keine Mutmaßungen anstellen. Die Beziehungen zu Frankreich seien weiter zukunftsweisend und eng.
Quelle: Focus
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