ÖLFIEBER AN DER ARKTIS

Das Ölfieber in der Arktis ist früher als erwartet ausgebrochen.Der britische Ölkonzern Cairn Energy hat in der vergangenen Woche verkündet, dass Öl und Gas im Beaufort-Meer vor der Küste Grönlands gefunden wurden.

Die endgültigen Ergebnisse der Bohrungen werden erst im Oktober von den Briten präsentiert. Dennoch ist bereits jetzt klar, dass es Öl in Grönland gibt. Nur eine Frage stellt sich: Wann wird danach gebohrt?

Anfang der kommenden Woche will das Bureau of Minerals and Petroleum der Grönländer bekanntgeben, welche weiteren Unternehmen den Zuschlag bei der Ausschreibung für die Tiefseebohrungen im Beaufort-Meer bekommen haben. Im kommenden Jahr soll eine weitere Ausschreibung erfolgen. Im Jahr darauf soll die dritte Ausschreibung stattfinden. Die wichtigsten Ölkonzerne mit viel Erfahrung bei der Rohstoffförderung in den nördlichen Breiten stehen Schlange, um die Lizenz zu bekommen: die US-Ölunternehmen ExxonMobil und Chevron, die britische-niederländische Shell und der norwegische Energieriese StatOil.

Mittlerweile kam es im Beaufort-Meer zu Auseinandersetzungen zwischen den Greenpeace-Kämpfern, dem Grenzschutz, der Marine und den dänischen und grönländischen Polizisten (Grönland ist Bestandteil Dänemarks). Das Greenpeace-Schiff „Esperanza“ stach bereits ins See mit dem Ziel Grönland. Zuvor hatte Grönland eine 500-Meter-Sicherheitszone um die Bohrinsel der Cairn Energy eingerichtet.

Am 31. August gelang es jedoch einigen Greenpeace-Aktivisten, die Bohrinsel zu besetzen. Die Bohrungen stehen seitdem still. Grönlands Regierung, die offenbar große Öl- und Gasvorräte hat, entwickelt sich zum Feind Nummer eins für die Greanpeace-Aktivisten und Umweltschützer.

Dennoch haben die Grönländer alle Gründe, mit den Umweltschützern unzufrieden zu sein. Auf der größten Insel der Welt leben 57.000 Menschen, die hauptsächlich von der Fischerei und den jährlichen Subventionen leben (600 Millionen US-Dollar oder 55 Prozent des Haushalts Grönlands – 0,75 Prozent des Haushalts Dänemarks). Grönland ist nicht besonders gut auf sein Mutterland zu sprechen.

In den vergangenen 30 Jahren versuchte es unabhängig zu werden, doch erhielt lediglich den Status einer Autonomie. Grönland glaubt daran, dass es mit dem Öl genug Geld hat, um die dänischen „Usurpatoren“ loszuwerden, das „Kolonialerbe“ endgültig zu überwinden und ein glückliches Leben mit Gas- und Öldollars zu beginnen. Dieser Traum ist verständlich: Grönland will das Kuwait hinter dem Polarkreis werden.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht für Grönland. Die Forschungsarbeiten des schottischen Ölunternehmens, das seine Zukunft auf Grönland baut, bestätigen die Einschätzungen der US-Behörde für Geologie. Vor zwei Jahren hatte sie begonnen, die Vorräte der „Schneekönigin“ zu schätzen. An der Studie, die im vergangenen Jahr beendet wurde, nahmen Experten aus Russland, Kanada, Dänemark, Grönland und Norwegen teil. Wie die US-Geologen mitteilten, kann man mit 95-prozentiger Sicherheit sagen, dass die arktischen Vorräte 90 Milliarden Barrel Öl und 50 Milliarden Kubikmeter Gas oder sogar mehr ausmachen können.

Laut US-Experten sind in der Arktis 22 Prozent der weltweiten Bodenschätze konzentriert, darunter 30 Prozent Erdgas- und 13 Prozent Ölvorräte. Die Ölvorräte befinden sich vor allem auf „Seiten Grönlands und Alaskas“. Die Gasvorräte sind in Nähe oder im russischen Abschnitt der Arktis konzentriert.

Am 3. September starten die Kanadier und die Amerikaner mit ihren Eisbrechern eine Forschungsexpedition. Seit Mitte Sommer hält sich eine russische Expedition in der Arktis auf. Alle drei Expeditionen befassen sich mit seismischen Erkundungen, Seevermessungen und geologischen Forschungen. Es handelt sich also um die Vorbereitung zur „Demarkierung“ der nationalen Seegrenzen in der Arktis. Zudem wird genauer geprüft, was und wie viel unter dem Eis steckt.

Die Aufteilung der Arktis scheint anscheinend schneller zu verlaufen als erwartet. Das „Öl- und Gasvermessen“ kostet Mühen und Geld. Doch die Zeit wartet nicht.

Die Umweltschützer sind vor allem darüber beunruhigt, dass die Tiefseebohrungen im Schelf zu katastrophalen Umweltfolgen in der Arktis führen können. Es gibt bereits viele Beispiele: Die USA kämpfen gegen Ölpest im Golf von Mexiko nach dem Untergang der BP-Bohrinsel Deepwater Horizon. Wegen dem lecken Bohrloch waren fast fünf Millionen Barrel Öl ins Meer geflossen.

Experten zufolge sind die Folgen eines Ölaustritts in der Arktis viel schlimmer als in den warmen Gewässern. Die Kohlenwasserstoffe werden im kalten Wasser nicht gespaltet. Zudem können sie in der eiskalten Luft nicht verdampfen. Die Abfälle werden also nach unten gehen und sich auf dem Boden konzentrieren, wodurch der Ozean für mehrere Jahre verschmutzt wird.

Quelle: RIA Novosti

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Eine Antwort zu “ÖLFIEBER AN DER ARKTIS

  1. Nach solchen Katastrophen wie am Golf von Mexiko, sollte eigentlich keine Regierung mehr wollen, dass man auf ihrem Land nach Öl bohrt. Durch Öl und Gas reich werden, das ist wohl in der heutigen Zeit nicht mehr allzulange möglich. Grönland sollte sich auf andere Wirtschaftszweige konzentrieren, auf nachhaltige Energiegewinnung oder sonstiges. Heutzutage ist Innovation gefragt, wir brauchen neuen Möglichkeiten, wir brauchen eine Umlenkung auf andere innovative Wirtschaftsbereiche

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