BIOLOGEN WEISEN MODIFIZIERTE GENE IN WILDPFLANZEN NACH

Pittsburgh/ USA – Während der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) Hand in Hand mit der BASF-Gen-Industrie im Mecklenburg-vorpommerschen Bütow die erste Ernte genetisch veränderter Amflora-Kartoffeln feiert, vermelden US-Forscher eine Besorgnis erregende Entdeckung: In wilden Rapspflanzen haben sie Gene nachgewiesen, die eigentlich aus genetisch verändertem Raps stammen. Erneut zeigt sich, wie unsicher und unaufhaltsam die Risiken der Gen-Landwirtschaft sind.

Damit bestätigen die US-Forscher die Befürchtungen nicht nur deutscher Gentechnikgegner wie Claudia Schulz, agrarpolitische Sprecherin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, die anmahnen, dass Anbauflächen wie in Bütow das Risiko der unkontrollierten Ausbreitung genetisch veränderten Erbguts in Pflanzen erhöht. Brüderle hingegen verteidigt erwartungsgemäß den zuvor von der EU-Kommission und sodann von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) genehmigten Anbau von Amflora. „Biotechnologie leistet einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“, so der Minister. „Der Wirtschaftsstandort Deutschland könne nur bestehen, wenn man den Mut habe, neue Wege zu gehen. Es müssten aber eine sinnvolle Abwägung zwischen Chancen und Risiken vorgenommen und die Ängste der Gegner ernst genommen werden.“

Wissenschaftler um Cynthia Sagers und Meredith Schafer von der „University of Arkansas“ hatten zuvor auf dem Treffen der „Ecological Society of America“ in Pittsburgh die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vorgestellt, anhand derer sie in Populationen von Wildpflanzen Gene von genetisch modifiziertem Raps nachweisen konnten.

Weltweit könne sich Raps mit mehr als 40 unterschiedlichen Pflanzen vermischen. Hieraus ergeben sich somit wichtige Fragestellungen über den Umgang bzw. die Kontrolle der durch die genetische Manipulation gegen Herbizide resistent gemachten Pflanzen.

„Wir kennen schlicht und einfach die möglichen Konsequenzen noch nicht, die eine Verbreitung dieser Gene auf andere Pflanzen und deren Umwelt haben können“, so Schafer. „Wir wissen nicht, wie sich diese Pflanzen auswirken werden.“

Rund 83 Prozent der untersuchten wilden Rapspflanzen wiesen bereits transgenetisches Material aus genetisch verändertem Raps auf – eine Vermischung, zu der es in freier Natur gekommen sein musste. „Schon jetzt gehen wir davon aus, dass sich diese Rapsform natürlich und somit unkontrollierbar verbreitet hat“, erläutert Schafer. „Normalerweise waren diese Pflanzen aber gar nicht dazu bestimmt, sich in freier Wildbahn gegen andere Pflanzen durchzusetzen.“

Besorgt verweisen die Forscher auf den Umstand, dass nahezu alle Kulturpflanzen, die genetisch verändert werden, auch wildwachsende verwandte Sorten haben, die wir allgemein als Wildkräuter und Unkraut kennen, mit welchen sich die Kultursorten jedoch durch natürlich Befruchtung vermischen und somit neue Variationen hervorbringen können.

„Bei der Ernte in Büstow hat BASF nichts zu feiern. Die Pflanzen leiden an starkem Viren- und Pilzbefall. Die breite Mehrheit der Bevölkerung ist weiterhin gegen Agro-Gentechnik und BASF versucht sich mit Industriekartoffeln in den Markt einzuschleichen, weil kaum jemand Genkartoffeln auf dem Teller haben will. Sogar die Industriekartoffel Amflora wird von fast allen Abnehmern in Deutschland abgelehnt. Dass die Kartoffeln nicht vernichtet, sondern als Pflanzkartoffeln verwendet werden sollen, ist ein Unding und ein Versagen der Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner“, erklärt Grünen-Sprecherin Claudia Schulz.

Die Genkartoffeln, die als Saat für das kommende Jahr dienen sollen, seien somit alles andere als gesundes Saatgut. Auch in Büstow, dem bislang bundesweit einzigen Ort, an welchem Gen-Kartoffeln angebaut werden, sei außerdem nicht davon auszugehen, dass alle Amfloraknollen aus der Erde geholt werden können. „Der Acker wird auf Jahre von Amflora durchzogen bleiben und kann somit nicht für die herkömmliche Kartoffelnproduktion genutzt werden. Auch ist ein Austrag auf andere Flächen beispielsweise durch Wild wahrscheinlich“, so Schulz.

Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace, hat die BASF-Ernteveranstaltung mit anderen Protestierenden begleitet und stellt fest: „Die BASF zeigt mit dieser Ernteaktion, wie stark ihr Einfluss auf die Politik ist. (…) Erst haben Union und FDP die Gen-Kartoffel Amflora als erste Pflanze namentlich in einem Koalitionsvertrag erwähnt und nun erscheint ausgerechnet FDP-Wirtschaftsminister Brüderle zu einem Medientermin, um seine Unterstützung für eine gesellschaftlich unerwünschte und überflüssige Gen-Pflanze zu signalisieren.“ Laut Greenpeace sind mehr als drei Viertel der Bundesbürger für ein Verbot der genmanipulierten Industriekartoffel.

Anbaukarte zu Ackerflächen in Deutschland, auf denen genetisch veränderte Pflanzen (Mais und Kartoffeln) angebaut werden:

http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/anbau_genpflanzen/gen_mais_anbau_in_deutschland_2010/

Quellen: grenzwissenschaft-aktuell
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