WWF WARNT VOR DRAMATISCHER ÜBERNUTZUNG DER OSTSEE

Der Ostsee droht nach Einschätzung der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF) in den nächsten 20 Jahren eine dramatische Übernutzung und der Verlust weiträumiger Ökosysteme.

Laut einer am Donnerstag in Stralsund vorgestellten Studie werden vor allem Schifffahrt, Offshore-Industrie und Umweltbelastungen durch weiter zunehmenden Tourismus um mehr als das Doppelte steigen. WWF-Projektleiter Jochen Lamp forderte eine auf Nachhaltigkeit und Kapazitätsbegrenzung gerichtete Meeresraumplanung, die von den Staatschefs der neun Anrainerstaaten zur Chefsache gemacht werden müsse.

Für die Studie «Baltic Future Trends» hatten Wissenschaftler die bevorstehende Entwicklung von insgesamt 15 Wirtschaftsbereichen auf das nur 413 000 Quadratkilometer große Binnenmeer analysiert. Demnach wird sich allein die Zahl der monatlich auf der Ostsee verkehrenden Schiffe von derzeit 4000 bis zum Jahre 2030 auf fast 9000 mehr als verdoppeln.

Entsprechend steige das Risiko von Schiffsunfällen, sagte Lamp. Schon jetzt würden auf dem Meer jährlich etwa 150 Unfälle registriert. Die Wahrscheinlichkeit von Ölkatastrophen wachse nicht nur angesichts der zunehmenden Zahl von Tankern, sondern auch wegen der immer größer werdenden und riesige Treibstoffmengen führenden Frachter. Im Unterschied zu anderen Meeren hätte eine Ölkatastrophe in der Ostsee besonders gravierende Folgen, weil das Öl sehr schnell die Küsten erreichen würde und sich das Ostseewasser nur etwa alle 30 Jahre durch Austausch mit der Nordsee erneuere.

Konfliktpotenzial für Schiffssicherheit, Fischerei und Umwelt sehen die Naturschützer auch durch den zu erwartenden Bedarf an 2500 Quadratkilometern Meeresfläche für den Bau von Windparks. So sollen neben den bereits in Planung befindlichen 29 Meeresparks bis 2030 mindestens 25 weitere hinzukommen. Zusammen mit den bereits bestehenden Anlagen würden dann 67 Windparks in der Ostsee mit einer Gesamtleistung von 25 000 Megawatt Strom erzeugen. Zudem werde der Bau von 5800 Kilometern Kabeltrassen und Erdgaspipelines vor allem in der Bauphase zu Umweltbelastungen führen.

Im Tourismusbereich rechnet der WWF allein im Kreuzfahrtbereich mit einem Anstieg der Passagierzahlen pro Jahr von derzeit 5 auf 20 Millionen. Dringend erforderlich seien verschärfte Regelungen zur Abwasserentsorgung, auch im Sporthafenbereich, sagte Lamp. Durch den Abbau von Sanden und Kiesen vor allem in den Küstenmeeren von Finnland, Deutschland und Dänemark drohten weitere Sandbank- und Riffhabitate verlorenzugehen. Langfristige Umweltzerstörungen seien zudem durch Stickstoff- und Phosphoreinträge aus der Landwirtschaft und zu hohe Fangquoten der Fischerei zu befürchten.

Dagegen sieht der WWF eine erhebliche Entlastung bei der Verschmutzung durch die Industrie. So hätten sich die Staaten dazu verpflichtet, die Ostsee bis zum Jahre 2020 zu einem Null-Emissionsgebiet zu erklären. Dazu müssten noch 73 sogenannte Hotspots bereinigt werden. Nicht abschätzbar sind nach Angaben der Studie die Auswirkungen des Klimawandels und mögliche Belastungen durch die Zunahme von maritimen Aquakulturen in der Ostsee.

Als Alternative zum «heutigen Planungs-Flickenteppich» schlägt der WWF ein gemeinsames integriertes Meeresmanagement vor, das allein im EU-Raum bis 2030 durch vereinfachte Planungsverfahren zu Einsparungen von 0,4 Milliarden bis 1,8 Milliarden Euro führen könnte. Vor allem müssten die Anrainer aufeinander abgestimmte Kapazitätsgrenzen für Wirtschaftsbereiche und Nutzungsansprüche festlegen.

Quelle: ddp / Yahoo

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