US-WIRTSCHAFT GERÄT INS STOCKEN

Die Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Das Wachstum der US-Wirtschaft hat an Fahrt verloren, im vergangenen Quartal gab es nur ein bescheidenes Plus.

Die US-Wirtschaft hat ihr Wachstumstempo kräftig gedrosselt und kommt damit langsamer aus der Krise als erhofft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von lediglich 1,6 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte. In einer ersten Schätzung war mit 2,4 Prozent noch ein weit höherer Zuwachs erwartet worden. Dabei war das Außenhandelsdefizit jedoch zu niedrig veranschlagt worden. Der Fehlbetrag erwies sich nun als dicker Bremsklotz für das Wachstum. Auch der Lageraufbau war nicht so üppig wie zunächst angenommen. Obwohl die wirtschaftliche Abkühlung nicht ganz so kräftig wie von Experten befürchtet ausfiel, bleibt die Sorge, dass die Erholung im laufenden Sommerquartal ins Stocken geraten könnte.

Die US-Wirtschaft wächst seit Sommer 2009 wieder. Doch vor allem eine hohe Arbeitslosigkeit und Probleme am Immobilienmarkt machen der weltgrößten Volkswirtschaft zu schaffen. Die Wirtschaft war aber kraftvoll ins Jahr gestartet: Im ersten Quartal legte das BIP nach den jüngsten Daten um 3,7 Prozent zu. Nach Ansicht des US-Notenbankers James Bullard droht trotz der Abkühlung kein Rückfall in die Rezession. Dies sei „derzeit nicht sehr wahrscheinlich“, sagte er dem TV-Sender CNBC. Das Wachstum werde voraussichtlich nächstes Jahr anziehen.

Licht und Schatten liegen in der US-Wirtschaft dicht bei einander: Die USA konnten im zweiten Quartal zwar ihre Ausfuhren um aufs Jahr hochgerechnete 9,1 Prozent steigern. Doch zogen gleichzeitig die Einfuhren um fast ein Drittel an. Einen solchen Importschub gab es seit Anfang 1984 nicht mehr. Der Fehlbetrag in der Handelsbilanz schlug voll auf das Wachstum durch und schmälerte die Wirtschaftsleistung um knapp 3,4 Prozentpunkte. Einen solchen Effekt hatte es zuletzt in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben.

US-Notenbankchef Ben Bernanke kündigte an, dem mageren Konjunkturaufschwung mit aller Macht unter die Arme greifen zu wollen. Die Federal Reserve (Fed) sei im Bedarfsfall bereit, weitere Schritte zur Unterstützung der Wirtschaft zu unternehmen – auch ein Ankauf weiterer Staatsanleihen und anderer Wertpapiere sei denkbar, sagte Bernanke auf dem traditionellen Notenbankertreffen. „Wir sind bereit, falls nötig zusätzliche geldpolitische Unterstützung über unkonventionelle Maßnahmen zu geben, vor allem dann wenn sich die Wirtschaftsaussichten signifikant eintrüben“, sagte Bernanke.

Beim für die US-Wirtschaft immens wichtigen Konsum zeigen sich bereits Lichtblicke: Die staatlichen Statistiker revidierten das Plus bei den Verbraucherausgaben im Frühjahr auf 2,0 von 1,6 Prozent nach oben. Damit wurde das Plus vom ersten Quartal von 1,9 Prozent sogar leicht übertroffen.

Der IWF warnt vor diesem Hintergrund vor übertriebenem Pessimismus. „Der wahrscheinlichste Verlauf ist die Fortsetzung einer moderaten Erholung, dabei liegt die Betonung auf moderat“, sagte IWF-Vizechef John Lipsky Reuters Insider am Rande des Jahrestreffens der US-Notenbank in Jackson Hole. Auch die jüngsten enttäuschenden Daten vom Immobilienmarkt und zum Absatz langlebiger Güter kehrten dieses Bild nicht um. „Wir erwarten sicherlich keinen plötzlichen Aufbau von Arbeitsplätzen“, erklärte Lipsky. „Aber sich die Erholung fortsetzt, wie zu erwarten ist, dann wird sie ein Job-Wachstum auslösen.“

Davon ist der US-Arbeitsmarkt trotz jüngster Lichtblicke noch meilenweit entfernt. Dies dürfte die Fed allmählich nervös machen, die neben Preisstabilität auch für Vollbeschäftigung sorgen soll.

Quelle: Die Welt

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