IRLAND UND PORTUGAL BRAUCHEN VIELLEICHT BALD DEN EU-RETTUNGSSCHIRM

Für Irland und Portugal wird es immer schwieriger, Kredite am Kapitalmarkt zu bekommen. Bald dürfte der 750-Milliarden-Rettungsschirm gefragt sein.

Deutschlands Stärke entwickelt sich zum Problem für die Eurozone: Während die hiesige Wirtschaft dank boomender Exporte brummt, tritt das Gros der übrigen Länder wirtschaftlich auf der Stelle: Das verstärkt die ohnehin vorhandenen Fliehkräfte in der Währungsgemeinschaft.

Die überwunden geglaubte Krise holt die Europäer ein. Und das wiederum bedeutet: die Gefahr steigt, dass der 750 Mrd. Euro umfassende Rettungsschirm von EU und IWF in Anspruch genommen wird. Auf paradoxe Weise könnte ihre boomende Wirtschaft die Bundesbürger noch teuer zu stehen kommen.

Denn als größte Volkswirtschaft bürgt Deutschland mit einem Löwenanteil. Im Extremfall muss Berlin Garantien in Höhe von 148 Mrd. Euro übernehmen. Hinzu kommen die 22,4 Mrd. Euro, mit denen sich Deutschland bereits separat verpflichtet hat, dem finanziell angeschlagenen Griechenland zu helfen.

Die wachsende Brisanz der Lage macht die Zinsentwicklung in Euroland deutlich. Zwar sind die Sätze in Deutschland eben erst auf ein historisches Tief gefallen. Nicht jedoch in den Randländern der Währungsunion. Dort sind die Zinsen zuletzt wieder bedenklich nach oben geschnellt. Die EZB sah sich genötigt, den zwischenzeitlich ausgesetzten Ankauf von Staatsanleihen wieder aufzunehmen.

Die Irische Republik muss am Kapitalmarkt aktuell 5,61 Prozent bieten, um sich für zehn Jahre Geld zu leihen. Das ist der höchste Stand seit Ausrufung des EU-Rettungsschirms in der Nacht vom 9. zum 10. Mai 2010. Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich etwas beruhigt hatte, fürchten Investoren inzwischen wieder stärker, dass die Rettung der maroden Banken den Staatshaushalt sprengen könnte.

// <![CDATA[// Noch schlimmer gestaltet sich die Situation für die Griechen: Nicht weniger als 11,41 Prozent verlangen Investoren von Athen, wenn sie ihnen Geld in Form zehnjähriger Anleihen zur Verfügung stellen.

Griechenland nimmt bereits seit Monaten den „Brüssel-Dispo“ in Anspruch: Es finanziert sich kaum noch über den Kapitalmarkt, sondern bedient sich des 110 Mrd. Euro schweren Hilfsfonds der Europäer. Zwar ist die Inanspruchnahme des „Dispo“ nicht umsonst, doch mit einer Verzinsung von 5,6 Prozent kommt Athen der Kredit nur halb so teuer wie am Kapitalmarkt.

Die übrigen Peripherie-Länder haben den „Brüssel-Dispo“ bisher noch nicht in Anspruch genommen. Doch der Leidensdruck, zum Rettungsschirm Zuflucht zu nehmen, steigt mit jedem Prozentpunkt, den der Marktzins nach oben schnellt. Neue Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit würden die Iren bereits jetzt genauso teuer kommen, als wenn sie auf den EU-Rettungsschirm zurückgreifen würden.

Verschlechtern sich die Marktkonditionen also weiterhin, ist es nur noch eine Frage der Zeit, ehe Dublin sich an Brüssel wendet. Ähnliches gilt für das ebenfalls angeschlagene Peripherieland Portugal. Investoren strafen die Regierung in Lissabon dafür ab, dass deren Sparanstrengungen keine Fortschritte machen.

Angesichts der Höhe der portugiesischen Staatsschulden – rund 81 Prozent der Wirtschaftsleistung – wird das von den Marktteilnehmern als bedrohlich gewertet. Wie die Citigroup ausgerechnet hat, werden die Zinskosten in den kommenden drei Jahren von 2,75 auf 3,75 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, bei Irland sogar von 2,5 auf vier Prozent. Zum Vergleich: Die deutschen Zinskosten werden von 1,6 auf 1,3 Prozent zurückgehen.

Die Verantwortlichen wollen von einer Inanspruchnahme des Brüssel-Dispo derzeit noch nichts wissen: „Die Gefahr, dass Länder unter den Rettungsschirm schlüpfen, um bessere Zinskonditionen zu erhalten, halte ich für ausgeschlossen“, sagt ein Sprecher des EU-Stabilitätsfonds (EFSF). Erstens müsste sich das Land dann freiwillig strikten Auflagen und der strengen Kontrolle von EU-Kommission, IWF und EZB unterwerfen. „Und zweitens müssen die Euro-Finanzminister den Hilfen zustimmen – was sie in so einem Fall definitiv nicht machen würden“.

Doch wenn die Spannungen in der Eurozone sich weiter verschärfen, könnte die Peripherieländer bald gar keine andere Wahl haben. Portugal muss 2010 noch 7,8 Mrd. Euro refinanzieren, in Irland werden im September 13 Mrd. Euro staatsgarantierter Bankanleihen fällig.

Quelle: Welt Online

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