SCHWEIZERISCHE GROSSBANKEN ERHALTEN VERSTECKTE SUBVENTIONEN, UM SICH AN DEN KAPITALMÄRKTEN GÜNSTIGER ZU REFINANZIEREN – EIN RIESIGER WETTBEWERBSVORTEIL

Die Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse erhalten 4 bis 6 Milliarden Franken an versteckten Subventionen wegen  faktischer Staatsgarantie – mehr, als die Landwirte vom Bund bekommen.

Die Schweizer Grossbanken als hilfsbedürftige Subventionsbezüger? Schwer zu glauben. Doch die UBS und die CS beziehen von der Öffentlichkeit Milliardenhilfe. Zu diesem Schluss kommen namhafte Ökonomen: Urs Birchler, Professor am Swiss Banking Institute der Universität Zürich, beziffert in seinem für die SP Schweiz verfassten Gutachten die staatliche Hilfe für die Grossbanken auf 4 bis 5 Milliarden. Ökonom Boris Zürcher vom Thinktank Avenir Suisse schätzt die versteckte staatliche Subvention gar auf gegen 6 Milliarden Franken. Die Landwirtschaft wird dagegen vom Bund nur mit rund 3,5 Milliarden Franken pro Jahr unterstützt (davon Direktzahlungen 2,5 Milliarden Franken).

Interessant ist: Während Agrar-Subventionen offen deklariert und vom Schweizer Volk legitimiert sind, ist die implizite «staatliche Beistandspflicht» für die Grossbanken dagegen weitgehend unsichtbar – und unfreiwillig. Der Mechanismus der versteckten Subvention: Die Schweizer Grossbanken profitieren vom Wettbewerbsvorteil, weil sie «too big to fail» sind. Dies über bessere Zinsbedingungen: «Wegen ihrer faktischen Staatsgarantie können sie sich an den Kapitalmärkten günstiger refinanzieren», erklärt Zürcher, «weil ihre Kapitalgeber wissen, dass die Bank nicht pleite gehen kann, gewähren sie ihr günstigere Zinsen.» Er beziffert diesen Zinsvorteil auf bis zu 30 Basispunkte. Das heisst: Die Grossbanken haben 0,3 Prozent Vorteil gegenüber der Konkurrenz ohne Staatsgarantie.

Durch diesen Wettbewerbsvorteil wurden die Schweizer Grossbanken in der Vergangenheit immer grösser und mächtiger, was wiederum ihren Wettbewerbsvorteil verstärkte. Der freie Markt spiele in der Branche nicht mehr, meint Harvard-Professor Niall Ferguson. «Es ist den jungen Banken nahezu unmöglich, gegen die too-big-to-fail-Kolosse zu konkurrieren», zitiert das «Magazin» den Wirtschaftshistoriker.

Wer profitiert von den Staatssubventionen? «Die Bank und ihre Anspruchsgruppen», so Zürcher. Die Aktionäre erhielten höhere Dividenden, die Gläubiger eine quasi versicherte Geldanlage, und die Manager könnten sich für ihre abgesicherten Risikogeschäfte hohe Boni auszahlen, so Zürcher. Und in guten Zeiten profitiert auch die breite Allgemeinheit. Denn dann bringen die florierenden Grossbanken grosse Steuereinnahmen, und die hohen Saläre bringen in vielen Branchen, nicht nur in der Luxusindustrie, die Kassen zum Klingeln.

Die Zeche bezahlen die Anderen

Der Preis der Staatsgarantie für Grossbanken ist jedoch hoch. Denn wenn es schlecht läuft auf den Finanzmärkten, wie 2008, zieht eine Bankenpleite das ganze Land in den Abgrund. Die Bankenkolosse sind schlicht zu gross für die kleine Schweiz. Zur Erinnerung: Ende 2008 betrugen die Bilanzsummen der beiden Schweizer Grossbanken zusammen fast das Sechsfache des schweizerischen Bruttoinlandproduktes.

Der Konkurs einer Grossbank hätte katastrophale Folgen für die ganze Schweiz: «Die Schweiz entging im Oktober 2008, als die UBS am Abgrund stand, nur knapp einer Katastrophe», zitiert das «Magazin» Niall Ferguson. Auch Ökonom Zürcher meint, es sei keinesfalls sicher gewesen, dass der Bund die bereitgestellten Rettungsmilliarden wieder zurückerhalten würde, so wie dies heute nach geglückter Operation verschiedentlich behauptet wird.

Weitere negative Folge des indirekten Geldregens für die Grossbanken: «Sie verzerren die Ressourcenverwendung», so Zürcher. Das heisst: Die Mittel werden nicht effizient eingesetzt. Der Ökonom erklärt dies am Beispiel Arbeitsmarkt: «Ein ETH-Student hat heute die Wahl: Entweder er montiert nach seinem Studium für die ABB Energieanlagen in der afrikanischen Wüste oder er geht als Aktienanalyst zur Grossbank an der Zürcher Bahnhofstrasse und verdient dabei das Doppelte. Diese Entscheidung fällt vielen nicht schwer.» Folge: Da die Finanzbranche das Lohngefüge in der Schweiz nach oben verzerrt, haben andere Branchen Mühe mitzuhalten. Dadurch gehen etwa der Industrie Arbeitskräfte verloren.

Eine weitere Folge der Verzerrung: Die subventionierte, für ausländische Anleger attraktive Finanzindustrie lässt den Wert des Schweizer Frankens steigen, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie beschneidet, so Zürcher.

Anders als offene Geldflüsse können implizite Subventionen nicht einfach gestoppt werden. Das Problem lasse sich nur indirekt lösen, so der Ökonom. Gegenwärtig arbeitet die «too big to fail»-Expertengruppe des Bundes an möglichen Lösungsvorschlägen, allen voran an der Festlegung konkreter Eigenmittelvorschriften für die Banken. Deren Schlussbericht kommt allerdings nicht wie ursprünglich angekündigt Ende August, sondern mit Verspätung.

Quelle: 20min.ch

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Eine Antwort zu “SCHWEIZERISCHE GROSSBANKEN ERHALTEN VERSTECKTE SUBVENTIONEN, UM SICH AN DEN KAPITALMÄRKTEN GÜNSTIGER ZU REFINANZIEREN – EIN RIESIGER WETTBEWERBSVORTEIL

  1. Guten Tag
    Könnte mir jemand bitte diese Frage beantworten:
    In welcher Grössenordnung bewegt sich eigentlich diese versteckte staatliche Subventionierung der beiden Grossbanken durch die schweizerische Volkswirtschaft? Bitte auf meine E-Mail (italo_boy10@hotmail.com) antworten, Danke und Schönen Tag Fritz L.

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